Rund um das Auto

Welches Fahrzeug? – Am Anfang der Reise standen wir vor einer Palette von Autos, die als reisetauglich gelten. Generell kann jedes Fahrzeug zum reisen genutzt werden. Es spielen nur einige Faktoren eine Rolle, die zum Kauf eines Autos bewegen:

– Wie viel Luxus brauche ich?

– Wo will ich mit dem Fahrzeug fahren?

– Kriege ich Ersatzteile auch im Ausland?

Ist man bereits gereist, geht man die Planung etwas entspannter an. Außerhalb der behüteten deutschen Straßen fahren Fahrzeuge, die in Deutschland beim TÜV–Prüfer evtl. einen Lach- oder Weinkrampf erzeugen würden. Wichtig ist, dass die Basis des Fahrzeug stimmt. Das heißt konkret: Träger rostfrei und ein wohlklingender Motor. Der Rest ist reine Formsache 🙂

Wie viel Kilometer? Baujahr? Diesel oder Benzin? Wie viel PS bzw. Hubraum? – Der Kilometerstand eines Fahrzeugs kann am Anfang abschreckend wirken. Jedoch vergisst man oft, dass gerade alte Motoren bei guter Pflege die 500.000 km Grenze locker erreichen können. Wir haben unseren Nugget mit 152 tkm gekauft und der Tacho zeigt im Moment 197 tkm an. Ich könnte unseren Nugget im Moment mit reinen Gewissen verkaufen.Old but gold ist unser Motto was das Baujahr angeht. Die alten Motoren sind robuster und können auch mal schlechten Sprit vertragen. Außerdem ist die Ersatzteilbeschaffung deutlich einfacher. Es sei denn es handelt sich um einen Oldtimer 🙂 Da der Diesel meistens über mehr Drehmoment verfügt und die Motoren nicht immer an der Leistungsgrenze arbeiten müssen, ist der Benziner für uns kein Thema. Eine Überlegung ist natürlich den Benziner auf Gas umzubauen, um Tankkosten zu minimieren. Jedoch kostet eine gute Anlage für einen 4-Zylinder um die 1500 € und diese Kosten muss man erst einmal rein fahren.

Zum Thema Leistung ist folgendes zu sagen: Wir tuckern im Moment mit 2,5l Hubraum und 85 Turbo PS um die Welt. Nachdem wir den Atlas, den Kaukasus, die Pyrenäen und die Alpen bezwungen haben, sind wir der Meinung, dass es auch vollkommen ausreicht. Wenn man noch einen Turbo zur Verfügung hat, dann bekommt der Motor selbst bei 3000+ ausreichend Sauerstoff und verliert nicht zu viel an Leistung.

Welche Reifen und wie viele? – Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die Wahl der Reifen. Hier sollte man Zeit und Geld investieren, um den passenden Reifen für einen selbst und das Fahrzeug zu kaufen. Wir haben uns gegen einen AT-Reifen entschieden und fahren mit Ganzjahresreifen auf und neben der Straßen. Die Reifen sind etwas größer und breiter als original montiert und an den Flanken verstärkt (C-Reifen). So erhöht sich die Traglast und man kann auch mal einen spitzen Stein mitnehmen.Ein Ersatzreifen reicht vollkommen aus. Wir haben für den Fall der Fälle zusätzlich Schläuche mitgenommen. In den hintersten Ecken der Welt sitzt immer ein Reifenspezialist, der nur darauf wartet, dass die Fahrer den Tribut an die Straßen zahlen 🙂

4×4? – Wer einmal einen 4×4 gefahren hat weiß, wohin man überall mit so einem Fahrzeug kommen kann.Wir sind jedoch der Meinung, dass wir nicht überall hinkommen wollen und dass ein heckangetriebenes Auto mit einem Fahrer, der sein Fahrzeug kennt, genau so gut sein kann. Oft sind 4×4 Fahrzeuge doppelt so teuer, als das selbe Modell in 2×4 und zu dem selten. Lieber ein wenig Geld in eine Differentialsperre an der Hinterachse investieren und von dem ersparten Geld ein halbes Jahr länger reisen!

Bodenhöhe? – Sehr wichtig und oft einfach zu realisieren. Wir haben hier knapp 4cm alleine durch die Reifenwahl gewonnen und es hätten ruhig mehr sein können. Bei Blattfedern kann man zum Beispiel ein Distanzstück zwischen Federn und Auflagefläche installieren. So fährt man dann deutlich entspannter über Wald und Wiese. Achtung: Zu hoch ist auch nicht gut. Schießt man über das Ziel hinaus und verlagert den Schwerpunkt des Fahrzeug zu sehr, wird die Fahrt zu einer Wackelpartie.

Was sollte/kann man vor der Reise wechseln bzw. kontrollieren? – Verschleißteile sind schnell gewechselt und man ist immer auf der sicheren Seite. Hier sollte man auf Qualität zurückgreifen und nicht am falschen Ende sparen. Je nachdem wann der Zahnriemen (falls vorhanden) gewechselt worden ist, sollte dieser samt Wasserpumpe gewechselt werden. Wenn das Auto keine außergewöhnliche Geräusche macht und man bei der Fahrt kein komisches Gefühl hat, kann der Reise nichts mehr im Weg stehen. Hier sollte man auch nicht vergessen, dass im Ausland die Mechaniker meist eine schnelle und kostengünstige Lösung parat haben.

Versicherung? – Eine weltweite Versicherung gibt es, aber einige Ländern bestehen selbst bei vorhandenen Versicherung eine landesinterne abzuschließen. Spart euch das Geld! Auf georgischen Straßen werden solche Sachen ganz anders geregelt und in anderen Ländern sowieso. Um einen kapitalen Bankrott zu vermeiden, kann man eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Wir sind aber auch ohne eine überall ganz gut gefahren.

Klappdach, Hochdach oder gar kein Aufsatz? – Im Nuggetforum oft ein heiß diskutiertes Thema. Wir haben festgestellt, dass Stehhöhe nur im Küchenbereich wirklich nützlich ist. Das Hochdach ist daher zu hoch für uns und der Platz fast verschwendet. Die marokkanische Lösung hat uns da doch eher zugesprochen. Mittelhohes Dach und einen Dachträger auf dem von Kuh bis Fahrrad alles transportiert werden kann. Ein Klappdach ist sehr wetterabhängig und die Dachlast ist auch sehr beschränkt. Daher eher etwas für einen kurzen Trip.

Straßen im Ausland? – Gibt es 🙂 Oft schlecht aber auch teilweise überraschend gut. Die Türkei zum Beispiel verfügt über Straßen, die mit den deutschen vergleichbar sind. Nicht selten heißt es aber Fuß vom Gas und das Auto schonen, während Einheimische mit gefüllten 200 km/h an einem vorbei fliegen. Oft begegnet man dann diesen mehrere Kilometer weiter am Straßenrand. Ein Spruch in Russland sagt: Fährst du langsam, kommst du weiter 🙂

Überladung, was nun? Was muss ich bei der Beladung beachten -Wir haben uns am Anfang der Reise wiegen lassen und nach dem Schreck, dass wir über 200 kg zu viel haben, das Wasser abgelassen. Trotz sorgfältiger Kontrolle und Exeltabelle haben sich die Kilos in unseren Nugget geschlichen. Je weniger das Auto tragen muss, desto weniger Belastung für die mechanischen Teile und natürlich auch einen geringeren Verbrauch. Zwei Argumente, die eindeutig dafür sprechen, alles unnötige zu Hause zu lassen! Fehlt etwas während der Reise, kann es immer noch, meistens sogar günstiger, gekauft werden

Selber ausbauen oder fertig kaufen? – Immer eine Frage des Budget und der Zeit. Da der Nugget uns von der Aufteilung gefiel und der Preis noch halbwegs im Rahmen lag, haben wir uns für die ausgebaute Variante entschieden. Beim nächsten Auto sind wir sicher, dass wir selber ausbauen wollen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Man hat eine größere Auswahl an Basisfahrzeugen auf dem Markt. Die Einteilung im Camper kann individuell nach Sonderwünschen erfolgen. Sollte mal irgendetwas kaputt gehen ist der Fehler schnell behoben, da man sich mit dem Fahrzeug zwangsläufig mehr auseinander setzten muss. Und natürlich spart man eine Menge Geld. Hier ist natürlich zu sagen, dass man wenigstens über eine rechte Hand verfügen sollte, wenn man so ein Projekt starten. Wenn man von Anfang an unsicher ist, sollte man die Finger davon lassen.

Beleuchtung im und am Fahrzeug? – Hier kann man anfangen Strom zu sparen und so längere freie Stehtage ermöglichen. LED’s sind einfach einzubauen und brauchen kaum Strom. Hier kann ich eine LED-Endlosrolle empfehlen. Kontakte anlöten und dort installieren, wo man das Licht braucht.Die Scheinwerfer sind Nachts das A und O und können viele Nerven und Zeit sparen. Sind die Gläser der Scheinwerfer matt, so muss nicht direkt der ganze Scheinwerfer gekauft werden. Man kann das Plastik polieren und das Ergebnis ist verblüffend! Dann noch vernünftige Lampen rein und die Nacht kann kommen. Zusatzscheinwerfer waren für uns vor der Reise ein Thema. Mittlerweile denken wir, dass diese eher Spielzeug am Auto sind und eher die Optik verschönern. Sind die Hauptscheinwerfer und Lampen hell genug, braucht man nicht mehr Licht. Außerdem sind längere Nachtfahrten selten Teil einer Reise.

Kühlschrank? mit Gas oder Strom? Box oder Schublade? – Ja, es geht auch ohne Kühlschrank. Aber auf diesen Luxus wollen wir nicht verzichten. Will man länger an einem schönen Ort verweilen, müssen die Reserven teils kühl gelagert werden. Und warmes Bier schmeckt auch nicht immer gut 🙂 Ein Kühlschrank auf Gas käme für uns nie in Frage. Strom kann man quasi umsonst erzeugen.

Isolierung? Teppich? Matte? – Wenn man sich sein kleines Heim auf Räder gemütlich machen möchte, ist ein Teppich unerlässlich 🙂 Wir haben uns nichts Neues gekauft, sondern einfach unseren großen Fußabtreter zurecht geschnitten und mit doppelseitigem Klebeband im Nugget befestigt. Die Isolierung ist eines der wichtigen Bestandteile im Camper. Hitze, Kälte und Geräusche können mit einer guten Isolierung kontrolliert werden. Der Nugget ist hier eine kleine Totalkatastrophe. Isolierung gleich Null und das bei einem vom Werk aus ausgebauten Wohnmobil. Hier sollte man etwas Zeit und Geld investieren.

Wie viel Brauchwasser benötigt man? Abwassertank..ja oder nein? – Während der Reise ist es unerlässlich sich mit dem Thema Wasser auseinander zu setzten. Will man nicht jeden Tag einen Brunnen oder eine Quelle suchen, sollte man so früh wie möglich mit dem Wassersparen anfangen. Ein Tipp ist im Ausland oft die Tankstelle. Hier ist teilweise Wasser in Trinkqualität zu bekommen (gratis :)) Wir kommen mit 60 Liter knapp eine Woche aus (inkl. Duschen und Hunde). Dies ist aber auch abhängig davon, in welcher Region man gerade unterwegs ist. Sollte der Brauchwassertank zu klein sein, können 5-8 Liter Flaschen als Wasservorrat im Auto mitgenommen werden. Ein Abwassertank ist oft von Vorteil meistens aber nicht notwendig. Zu mindestens nicht in der Größe des Brauchwassertanks!

Verschönerung vor der Reise vornehmen? Rost etc. – Ganz klares nein. Sollte man sich auf der Reise mit dem einem oder anderem Schönheitsproblem dann doch konfrontiert sehen, kann man diese kostengünstig und auch professionell beseitigen lassen. Wir haben in Marokko für unsere Kotflügel komplett mit Schweißen, Spachteln und Lackieren keine 50€ bezahlt.

Carnet ja/ nein? – In den Ländern, wo wir unterwegs waren ist ein Carnet nicht notwendig. Wir haben es nicht gehabt, aber es gibt einen internationalen Fahrzeugschein, den man auch an den Grenzen abstempeln kann. Ein Dokument mehr, dass im Ausland keiner entziffern kann 🙂

Schreibe einen Kommentar